Sie sind visionäre Wegbereiter, die durch außergewöhnliche Leistungen ihre Zeit prägen: Pioniere. Der Wörgler Unternehmer Josef Mayr war einer von ihnen: Pionier der ersten Stunde im Baustoffhandel. Ideenreich und vielseitig interessiert, begleitete Josef Mayr zeitlebens ein untrügliches Gespür für erfolgreiche Geschäfte.
Josef Mayr wurde 1814 als Sohn eines Uhrmachers in Wörgl geboren. Schon früh beeindruckte er durch Zielstrebigkeit und außergewöhnliche Begabungen.
Er erlernte die Berufe des Uhrmacher-, Maurer- und Hafnermeisters. Darüber hinaus war er noch Landwirt. 1862 begann mit der Gründung eines Unternehmens für Baustoffhandel die erfolgreiche Firmengeschichte.
Rund 150 Jahre später blickt die heutige Unternehmergeneration auf eine lange, stetige Firmentradition zurück. „Redlichkeit und Beständigkeit“ war der Leitsatz von Josef Mayr. Er war fest davon überzeugt, dass es beides braucht um Erfolg im Leben zu haben. Mehr denn je zählen heute in der Unternehmensgruppe Wegscheider bodenständige Werte und innovative Ideen.
Die Aufstände und Kriege des frühen 19. Jahrhunderts waren vorbei - Metternichs Polizeistaat untergegangen. Am 15. März 1848 machte Kaiser Ferdinand I. erste Zugeständnisse.
Er versprach die Abschaffung der Zensur und eine Staatsverfassung. Eine am 21. März 1848 gebildete provisorische Staatsregierung erarbeitete daraufhin die Pillersdorfsche Verfassung, die als wenig demokratisch galt.So durften weder Dienstboten, Fürsorgeempfänger noch Arbeiter, die Tages- und Wochenlohn bezogen, wählen. Die Verfassung führte zu Protesten in der Bevölkerung und mündete in den zweiten Wiener Aufstand. Auf den revolutionären Druck hin wurde die Märzverfassung am 15. Mai 1848 wieder zurückgenommen. Kaiser Ferdinand I. floh daraufhin nach Innsbruck. Dort herrschte im Gegensatz zu Wien Ruhe und die Treue zu Österreich stand außer Zweifel.
1814
Josef Mayr wird als Sohn des Wörgler Uhrmachers Karl Mayr geboren.
1862
Josef Josef Mayr gründet den ersten Baustoffhandel. Firmensitz war der „Adamweber-Hof“. Gehandelt wurde überwiegend mit Zement.
Der französische Schriftsteller Victor Hugo beendet im Exil den zehnbändigen Monumentalroman „Les Misérables“.
Der Lebensmittelhandel Julius Meinl wird in Wien gegründet.
Das Allgemeine Handelsgesetzbuch wird vorgelegt und verbindlich.
Findet in London die Weltausstellung statt.
Folgende Persönlichkeiten werden geboren:
Der Erste Weltkrieg war überstanden. Alois Mayr, der Sohn der Bürgermeisterwitwe Maria Mayr, widmete sich dem Wiederaufbau des Baustoffhandels.
Zusammen mit Ehefrau Frieda und seinen treuen Mitarbeitern führten sie das Unternehmen in den Aufschwung. Viele Männer der Mayr-Dynastie hatten das Glück, eine außergewöhnliche Frau an ihrer Seite zu haben – so auch Alois: Seine Frau Frieda Mayr verfügte über kaufmännisches Geschick, Tatkraft und einen visionären Geist. Ständig entwickelte sie neue Ideen und läutete so den nachhaltigen Aufwärtstrend des Handelsunternehmens ein.
Zement galt als der Grundbaustoff. Er bildete die Grundlage für den Aufschwung des Baustoffhandels Mayr. War es im Jahr 1930 nur ein Waggon der verkauft wurde, so rollten im Jahr 1932 zwei und nur ein Jahr später bereits zwanzig Waggons zu den Baustellen.
Tirols Wirtschaft war in die gesamt-österreichische und weltwirtschaftliche Entwicklung der Zwischenkriegszeit eingebunden. Die Wirtschaftskrise erfasste auch die Region. 1932/33 führte der Wörgler Bürgermeister Michael Unterguggenberger ein Freigeld-Experiment nachdem Modell von Silvio Gesell ein. Unterguggenberger wollte damit ein Nothilfeprogramm für die Wörgler Wirtschaft schaffen, um den Geldumlauf wieder anzukurbeln.
Dadurch konnten die Kaufkraft und somit auch die Preise stabil bleiben. Eine Parallelwährung in Form von Arbeitswertscheinen wurde neben dem offiziell gültigen Schilling in Wörgl ausgegeben. Das Freigeld-Experiment glückte: Wachsende Bautätigkeit, sinkende Arbeitslosigkeit und steigende Konsumfreude bei der Wörgler Bevölkerung waren die willkommenen Effekte des „Wörgler Wirtschaftswunders“, das in die Geschichte einging.
1920
10. Jänner:
Friedensvertrag von Versailles tritt in Kraft.
22. August:
Gründung der Salzburger Festspiele
26. August:
Frauen erhalten in den USA das Wahlrecht.
1933
27. Mai:
„Tausend Mark-Sperre“ tritt in Kraft. Jeder deutsche Staatsbürger, der nach Österreich reisen will, muss eine Gebühr von 1.000 Reichsmark zahlen. Dieser Boykott ist eine gezielte Maßnahme der NS-Machthaber um Österreich unter Druck zu setzen und zu schwächen.
1934
25. Juli:
Putschversuch der Nationalsozialisten, ausgehend von Deutschland, Ermordung des österreichischen Bundeskanzler Engelbert Dollfuß
1938
13. März:
Einmarsch deutscher Truppen in Österreich
Die florierenden Geschäfte des Baustoffhandels Mayr kamen im Zweiten Weltkrieg ins Stocken.
Wörgl war Ziel mehrerer amerikanischer Bombenangriffe. Das Lagerhaus in der Salzburger Straße wurde dabei völlig zerstört, das Geschäftshaus in der Friedhofstraße schwer beschädigt. Maria Mayr, eine Schwester von Alois Mayr, starb im Bombenhagel.
Sofort nach Kriegsende wurden die Schäden an den Firmengebäuden behoben. Darüber hinaus beteiligte sich die Familie Mayr stark am allgemeinen Wiederaufbau ihrer Wörgler Heimat. Der unermüdliche Einsatz der Einheimischen und der Familie Mayr schaffte eine eingeschweißte Unterinntaler Gemeinschaft.
In Wörgl wurden während der Bombenangriffe 43 Häuser zerstört, 105 Häuser wurden erheblich beschädigt. Noch heute werden auf Baustellen Blindgänger von Fliegerbomben ausgegraben.
Internationale Hilfsprogramme beschleunigten auch den Wiederaufbau in Tirol. Durch die Mittel des „European Recovery Programs“ wurden die Fernpassbundesstraße ausgebaut und neue Seilbahnen für die Fremdenverkehrswirtschaft finanziert.
Neben der zerstörten Infrastruktur war vor allem die Lebensmittelknappheit eines der großen Probleme jener Zeit.
Besonders schwer hatten es im Nachkriegsalltag die Frauen. 1946 und 1947 demonstrierten sie gegen die harten Lebensbedingungen. Nahrungsmittel und Rohstoffe waren knapp. Frische Milch gab es selten, sie wurde durch Milchpulver ersetzt.
Im Sommer 1945 fanden im kleinen Unterländer Bergdorf Alpbach erstmals die von Otto Molden und Simon Moser ins Leben gerufenen „Internationalen Hochschulwochen“ statt. Ziel war es, „Humanismus als Ehrfurcht vor der Menschlichkeit und den großen Traditionen des Abendlandes, das Bekenntnis zur Demokratie und zur österreichischen Geschichte und Kultur“ zu verankern. Später entwickelte sich daraus das international renommierte „Europäische Forum Alpbach“.
1945
28. März:
Russische Truppen überschreiten die österreichische Grenze, sie erreichten am 8. April Wien.
27. April:
provisorische Staatsregierung unter Staatskanzler Dr. Karl Renner
4. Mai:
Amerikanische Truppen treffen in Innsbruck ein.
25. November:
Erste Nationalratswahlen finden statt.
Nach 1945 setzt die bis dahin stärkste Industrialisierungswelle ein, mehr als 80 kleine und mittlere Betriebe wurden neu errichtet.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) wird gegründet. Die Organisation gewährleistet geordnete Währungsbeziehungen zwischen den Mitgliedsländern.
Im Jahr 1964 stand wieder eine Frau an der Spitze des Unternehmens. Nach dem Tod ihres Mannes Alois trat Frieda Mayr als Alleininhaberin die Nachfolge an. Unterstützt wurde sie von ihrer Tochter Frieda und deren ebenfalls im Unternehmen tätigen Ehemann Josef Wegscheider. Frieda Mayr führte die Firma in die Hochkonjunktur und weitete die Geschäftsfelder aus. 1965 wurde das Ziegelwerk Hopfgarten erworben. Frieda Mayr schaffte damit die Basis für weitere Expansionen.
Nur vier Jahre später starb die engagierte Unternehmerin. Tochter Frieda Wegscheider übernahm im Jänner 1970 den Betrieb. Zusammen mit ihrem Mann Josef führte sie das Unternehmen in eine neue Epoche. Nach den früheren Jahrzehnten des Aufbaus kam nun die Zeit der Expansion. Zwischen 1973 und 1975 wurde ein Zweigbetrieb im Pinzgau errichtet.
1963 wurde Eduard Wallnöfer Landeshauptmann von Tirol. Während seiner Amtszeit wurden große Bauprojekte fortgesetzt. Neue Verkehrswege erschlossen entlegene Gebiete und Passstraßen verbanden die Talschaften. Die gesetzlichen Grundlagen für das Elektrizitätswesen wurden geschaffen. Nach dem Verzicht auf das Atomkraftwerk Zwentendorf setzte Landeshauptmann Wallnöfer vermehrt auf den Ausbau der heimischen Wasserkraft in Tirol. Für den Bau des Kraftwerks Sellrain-Silz setzte er sich besonders ein.
1964 war Innsbruck zum ersten Mal Austragungsort der Olympischen Winterspiele. Die Organisatoren kämpften kurz vor der Eröffnung mit akutem Schneemangel. Soldaten des österreichischen Bundesheers brachten 20.000 Eisblöcke zur Bob- und Rodelbahn nach Igls. Hunderte Lastwagenfahrten waren notwendig, um den Schnee vom Brenner auf die rennstrecken rund um Innsbruck zu bringen.
1964
Jeff Bezos, Gründer und Präsident des US-amerikanischen Unternehmens Amazon, wird am 12. Jänner geboren.
Die Diözese Innsbruck wird am 6. August gegründet.
1969
Die Amerikaner Neil Armstrong, Edwin Aldrin und Michael Collins landen mit der Apollo 11 auf dem Mond.
1972
Die Firma Hewlett-Packard bringt am 1. Februar den ersten wissenschaftlichen Taschenrechner auf den Markt.
1976 trat Alois Wegscheider in das Familienunternehmen ein. Nach seiner Ausbildung war er durch Europa und Nordamerika gereist, um sich dort erfolgreiche Baustoffhandelsunternehmen genau anzusehen und internationale Kontakte zu knüpfen.
Während dieser Reisen entwickelte sich eine Idee, die in dem jungen Unternehmer mit der Zeit immer konkreter wurde: Wörgl soll den ersten Baumarkt bekommen. Die dafür notwendige Produktpalette hatte Alois Wegscheider auf seinen Reisen bereits eingehend studiert.
1979 wurde auf Initiative des Juniorchefs der erste Baumarkt in Wörgl eröffnet. Die Idee war derart erfolgreich, dass wenig später ein weiterer in Piesendorf (Pinzgau) entstand.
Die Wirtschaft wuchs und wuchs: In Wörgl, national und international. Die Firmenzentrale und das Ziegelwerk wurden erweitert, wirtschaftliche Verbindungen nach Russland, Skandinavien und Übersee geknüpft. Das Unternehmen begann seine heute bekannten Strukturen anzunehmen.
1992 zogen sich Frieda und Josef Wegscheider aus der Unternehmensleitung zurück. Alois Wegscheider übernahm die Geschäfte und führt seitdem erfolgreich die Unternehmensgruppe Wegscheider. Sein berufliches Vorbild ist seine Großmutter Frieda.
So wie sie haben sich alle starken Frauen der Familie durch großes Verhandlungsgeschick ausgezeichnet. Mit Bescheidenheit und Umsichtigkeit hielten sie Familie und Geschäft zusammen. Wie seine Vorfahren glaubt auch Alois Wegscheider als Visionär nicht nur an seine Ideen, sondern auch an die Werte seiner Familie und verfolgt sie bis heute redlich und beständig.
1976
Steve Jobs und Steve Wozniak gründen am 1. April die Firma Apple.
Die Vereinigten Staaten feiern am 4. Juli den 200. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit.
1979
Der erste Walkman der Firma Sony kommt am 1. Juli auf den Markt. Bis zum Jahr 2005 werden rund 335 Millionen Stück verkauft.
1982
Das Unternehmen Epson bringt den ersten Laptop auf den Markt.
1986
Der Wörgler Gerhard Berger gewinnt beim Großen Preis von Mexiko sein erstes Formel-1-Rennen.
1990
„Die Piefke-Saga“, ein dreiteiliger, satirischer Fernsehfilm des österreichischen Drehbuchautors und Regisseurs Felix Mitterer, sorgt innerhalb und außerhalb der Landesgrenze für viel Gesprächsstoff.
„Ich habe gesehen, dass das Rohbauvolumen kleiner wird und durch die Ausweitung der Freizeit der Zug zur Heimwerkarbeit zunehmen wird.“ - Alois Wegscheider
1995 erfolgte der Beitritt der Bauwelt-Betriebe zum Franchisesystem von OBI. In Österreich ist OBI seit 1996 mit Franchisepartnern tätig. Wesentlich beteiligt am Markteintritt des Bau- und Heimwerker-Riesen war Alois Wegscheider. Heute betreibt die Unternehmensgruppe Wegscheider vier OBI Märkte in Südtirol und Deutschland selbst. Acht OBI Märkte wurden von der Unternehmensgruppe Wegscheider entwickelt, erbaut und weiterverkauft bzw. vermietet. Weitere sind in Planung und zeigen den starken Aufwärtstrend der Do-it-yourself-Märkte.
Der deutsche Literat und Wahl-Wörgler Hans Hömberg schrieb zum 100-jährigen Firmenjubiläum 1962 folgende Worte:
Hundert Jahre sind Jahre des Schicksals, des Aufschwungs und der Verhängnisse, der Prüfungen und der Besinnung. Man sagt, dass jeder Mensch seines Glückes Schmied sei. Hieran ist viel Wahres. Ohne Regsamkeit, ohne eifriges Bemühen, ohne anhaltende Arbeit, ohne ernstliches Bestreben und schließlich ohne Gottvertrauen, helfen weder Amboss noch Hammer, um das Glück in den Dienst zu zwingen.
Auch zum 125-jährigen Bestehen des Handelshauses Mayr 1987 hat Hömbergs Erkenntnis seine Gültigkeit bewahrt. Gestützt durch den familiären Zusammenhalt und angetrieben von einem starken Willen war und ist die Familie seit der Firmengründung ihres eigenen Glückes Schmied.
Alois Wegscheider leitet nun schon in fünfter Generation die Geschicke des traditionsreichen Hauses. 2012 blickt die Unternehmensgruppe Wegscheider auf eine 150 Jahre lange Erfolgsgeschichte zurück. Unverändert sind seit jeher die Firmenwerte: Bodenständigkeit gekoppelt mit innovativen, mutigen Ideen und deren konsequenter Umsetzung.
Ende 20. Jahrhundert
Der Euro wurde neben dem US-Dollar internationale Leitwährung.
Das Internet bewirkte eine zunehmende Globalisierung.
Entwicklung von der Industriegesellschaft (Anfang des Jahrhunderts) über die Dienstleistungsgesellschaft (1970er Jahre) hin zur Informationsgesellschaft (Ende des Jahrhunderts)
21. Jahrhundert
Die Volksrepublik China steigt Anfang des 21. Jahrhunderts mit hohen Wachstumsraten zu einer globalen Wirtschaftsmacht auf.
Kardinal Joseph Ratzinger wird nach dem Tod von Johannes Paul II. am 19. April 2005 zum Papst Benedikt XVI. gewählt.
Der Teilchenbeschleuniger LHC wird am 10. September 2008 in Genf von CERN in Betrieb genommen. Er gilt als stärkster Hochenergie-Beschleuniger der Welt.